sz-online, 04.03.2010:

Warum Investitionen im Biathlon stocken

Von Mandy Schaks


Das Biathlonstadion im Zinnwalder Hofmannsloch wurde in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt auf Vordermann gebracht. Rund 1,7Millionen Euro sind bislang in die Modernisierung der Anlage geflossen, sagt der Altenberger Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler). Das Geld kam von der Stadt und aus verschiedensten Fördertöpfen. Damit im Biathlonstadion nicht nur trainiert werden kann, sondern auch hochkarätige Wettbewerbe möglich sind, muss weiter investiert werden, unter anderem in die Sanitäreinrichtungen. Die Rede ist von insgesamt etwa noch einmal 1,5Millionen Euro. Aber es passiert nichts, weil die Eigentumsverhältnisse nicht geklärt sind.

Wem gehört das Zinnwalder Biathlonstadion?

Vom Grunde her dem Freistaat Sachsen. Die Flächen sind dem Staatsbetrieb Sachsenforst zugeordnet. Da diese in einem sensiblen Gebiet liegen, will der Freistaat auch Eigentümer bleiben. Die Biathlonanlage selbst hat ihren Ursprung in DDR-Zeiten und blieb nach der Wende gewissermaßen in staatlicher Hand. Die Stadt Altenberg übernahm die Betreibung und hatte dafür seit Mitte der 1990er-Jahre einen Nutzungsvertrag mit dem Freistaat.

Warum reicht dieser Vertrag heute nicht mehr aus?

Verschiedene Fachleute zweifeln daran, dass es unter diesen Voraussetzungen noch Fördermittel gibt. Die Stadt Altenberg, die sich immer auch an Investitionen beteiligen muss, würde langfristig in fremdes Eigentum Geld stecken. So richtig aufgefallen ist diese Crux, als der Landkreis das Biathlonstadion übernehmen und die Stadt Altenberg finanziell entlasten wollte. Bei der Bobbahn im Altenberger Kohlgrund klappte das reibungslos. Der Landkreis wurde Mitte 2007 Eigentümer. Beim Biathlonstadion sind die Verhältnisse hingegen trotz Bemühungen bis heute offen.

Was bedeutet das für Altenberg und den Sport?

Der alte Vertrag zwischen dem Forst und der Stadt Altenberg gilt erst einmal weiter. Damit gibt es aber keine Fördermittel - und ohne Zuschüsse keine Investitionen. Am Ende stehen auch geplante Großveranstaltungen infrage. "Wenn wir nicht investieren können, dann können wir auch die Biathlon-Europameisterschaften 2013 in den Wind schreiben", sagte Bürgermeister Thomas Kirsten zur jüngsten Stadtratssitzung. Außerdem will sich Altenberg für die Junioren-Weltmeisterschaften 2014 im Biathlon bewerben. "Das geht halt nicht, wenn es keine Toilettenanlage gibt", stellte Kirsten klar.

Warum wird dann kein neuer Vertrag ausgehandelt?

Daran wird seit Monaten gearbeitet. Selbst die Landtagsvizepräsidentin Andrea Dombois (CDU) schaltete sich schon mehrfach ein, ebenso Sachsens Umweltminister Frank Kupfer (CDU). Die neuen Vertragsentwürfe vom Forst konnte Altenberg nicht akzeptieren. Die Stadt legte selbst ein Angebot auf den Tisch und bekam es kürzlich auch zurück. Heute ist eine neue Verhandlungsrunde.

Wieso unterschreibt die Stadt keinen neuen Vertrag?

Der Vertrag muss so gestaltet werden, dass Fördermittel fließen können und die Biathlonarena für die nächsten 25Jahre eine Zukunft hat. Außerdem erwartet die Stadt, die Anlage kostenlos nutzen zu können, weil sie den Sportlern zur Verfügung gestellt wird. Bisher ist Kirsten zufolge ein fünfstelliger Betrag im Gespräch, den Altenberg jährlich zahlen soll, um das Gelände nutzen zu dürfen. Ein weiterer Knackpunkt ist der Versicherungsschutz. Altenberg kann und will den Freistaat im Haftungsfall nicht aus seiner Verantwortung entlassen.

Warum investiert der Freistaat nicht selbst?

Auch der Freistaat käme damit in Konflikte. Als Eigentümer kann er sich nicht zugleich Zuschüsse für die Modernisierung des Stadions überweisen, weil er sich sonst selbst fördern würde.




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